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Der Sederabend und wieso diese Nacht so besonders ist…

Pessach gehört zu den wichtigsten jüdischen Festen. Es beginnt am Abend des 14. Nisan (entspricht dem 1. April 2026) mit dem Sedermahl. In unserem Blog-Beitrag fassen wir euch kurz zusammen, woran das Fest erinnert und was die Nacht des Sederabends so besonders macht.

Beim gemeinsamen Sederabend wird an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei erinnert. In der Torah (2. Buch Mose, Kap. 12) wird berichtet, dass Moses von Gott den Auftrag erhält, das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Der ägyptische Pharao wollte das Volk allerdings nicht ziehen lassen, sodass Gott die Ägypter mit zehn Plagen belegte. Die Israeliten wurden verschont, die Plagen zogen an ihnen vorbei. Ob sich der Name des Festes vom hebräischen Wort „פסח – pasah“ (übersetzt vorbeiziehen) ableitet ist umstritten.

Zu Erinnerung an die Flucht aus Ägypten wird am Sederabend gemeinsam mit der Familie oder Freund*innen die Haggadah (hebr. הגדה, Bericht) gelesen. In der Haggadah wird nicht nur der Anlass des Festes beschrieben, die Befreiung aus der Sklaverei, sondern auch der genaue Ablauf der Festlichkeiten. So ist es beispielsweise Teil der festlichen Vorbereitungen die Wohnung sauber zu machen und von sogenanntem „chametz“ zu befreien. Chametz ist z. B. Getreide, das gären kann. In der Zeit des Pessach-Festes darf in Erinnerung an die schnelle Flucht der Israeliten aus Ägypten nur Ungesäuertes zu sich genommen werden, deshalb wird Pessach auch oft „Fest des ungesäuerten Brotes“ oder „Matzen-Fest“ genannt. Matzen sind sehr dünne Brotfladen, die aus Mehl und Wasser bestehen und innerhalb von 18 Minuten fertig gestellt sein müssen – also vom Mischen des Mehls bis zum Ausbacken. Vom Sederabend an, mit dem das Pessachfest beginnt, bis Ende des Fests am 8. Tag nach Beginn (in der Diaspora) wird ausschließlich ungesäuertes Brot gegessen. Erst nach Ende des Fests kehren gesäuertes Brot und andere Produkte aus Getreide, wie Nudeln, Müsli oder Gebäck wieder zurück auf den Speiseplan.

Bild eines silbernen Seder-Tellers von oben mit feinen Gravuren.

Der Seder-Teller wurde 1743 in England gefertigt und befindet sich als Dauerleighabe des Bayerischen Nationalmuseums in der Sammlung des JMAS. © Bayerisches Nationalmuseum

Am Sederabend nutzt man einen besonderen Teller, auf dem symbolische Speisen angeordnet sind. Der Verzehr der Speisen folgt einer bestimmten Ordnung (hebr. Seder). Jede Speise steht dabei für einen bestimmten Aspekt der Geschichte des Auszugs aus Ägypten, darunter;

  • Maror – Bitterkraut, z. B. Meerrettich; Zeichen der Bitterkeit / Erinnerung an die Knechtschaft in Ägypten
  • Charosset – Fruchtmus, als Symbol für Lehm, mit dem Israeliten in der Sklaverei Ziegel formen mussten
  • Serora – angebratener Lamm- oder Hühnerknochen, der an das Pessach-Lamm erinnern soll, welches im Tempel geopfert wurde
  • Beitzah – Ei, als Erinnerung an das Feiertagsopfer
  • Karpas – z. B. Sellerie, erinnert an die zermürbende Arbeit; das Gemüse wird in Salzwasser getaucht als Erinnerung an die in der Sklaverei vergossenen Tränen

Ein weiterer wichtiger Teil des Sederabends sind vier besondere Fragen. Diese werden meistens vom jüngsten Mitglied am Tisch gestellt, oft also von den Kindern der Familie. Das jüngste Kind beginnt zu fragen, was diese Nacht von all den anderen Nächten unterscheidet?

“Warum wird diese Nacht von allen anderen Nächten unterschieden –
Denn in allen anderen Nächten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, aber in dieser Nacht nur Ungesäuertes;
In allen anderen Nächten essen wir verschiedene Arten von Kräutern, aber in dieser Nacht nur bittere,
in allen anderen Nächten tauchen wir nicht ein einziges Ma Kräuter, aber in dieser Nacht tauchen wir zweimal ein,
in allen anderen Nächten sitzen wir aufrecht oder angelehnt, aber in dieser Nacht nur angelehnt?“

Die Pessach Haggadah, Hentrich & Hentrich 2013

All dies sind Rituale, die an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei erinnern.

Und übrigens sind auch das Feiern des Festes selbst und das Lesen aus der Haggadah die Erfüllung eines biblischen Gebotes, denn dort steht: „Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest für den Herrn! Für eure kommenden Generationen wird es eine ewige Satzung sein, das Fest zu feiern!“ (2. Buch Mose, Kap. 12,14).

In diesem Sinne wünschen wir allen, die feiern, ein frohes Pessachfest!

April 2026