Mit dem Wechsel von Dr. Barbara Staudinger nach Wien wird die Literatur­wissen­schaftlerin, Historikerin und Pädagogin Dr. Carmen Reichert zum 1. Mai 2022 die Direktion des JMAS übernehmen.

Die gebürtige Augsburgerin lehrt derzeit jiddische Literatur an der LMU München und ist bei der Europäische Janusz Korczak Akademie e.V. in der Erwachsenenbildung tätig. Besonders wichtig für die künftige Arbeit ist ihr, jüdisches Leben in der Vergangenheit und heute in seiner Vielfalt und seinen Widersprüchen darzustellen:

„Aus weit über tausend Jahren schwäbisch-jüdischer Geschichte lassen sich unglaublich viele spannende Geschichten erzählen, die auch uns immer wieder überraschen. Es gab in Schwaben viele jüdische Händler und Hausierer, aber es gab eben auch jüdische Banditen, Biedermeier, Barrikadenkämpfer, Dirnen und Dienstboten.“, sagt die 36-Jährige. Jüdische Geschichte sei ein Teil schwäbischer Geschichte, zu dem viele Menschen den Zugang verloren hätten – nicht zuletzt in Folge des radikalen Versuchs der Nationalsozialisten, alle Erinnerung an die gemeinsame deutsch-jüdische Geschichte auszulöschen. Diese Geschichten wiederzuentdecken sei eine wesentliche Aufgabe jüdischer Museumsarbeit.

Ein besonderes Anliegen ist Reichert die Wiederentdeckung des hebräischen und jiddischen Buchdrucks in Augsburg – einem Teil der Stadtgeschichte, der heute nur sehr wenigen Expert*innen bekannt ist. Die Geschichte der jüdischen Buchdruckerei in Augsburg führe besonders deutlich vor Augen, dass jüdische und allgemeine Geschichte untrennbar verbunden sind: „Die Illustration des Augsburger Arba‘a Turim, einer wichtigen religiösen Schrift, übernahm niemanden Geringeres als Hans Holbein der Jüngere“, so Reichert.

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